Warum eigentlich NES?

Es ist viele Jahrzehnte her, dass die erste kommerzielle Videospielkonsole auf den Markt kam. Im September 1972, vor beinahe 53 Jahren, erschien das Magnavox Odyssey auf dem US-amerikanischen Markt, später dann Oktober 1973 dann auch in Deutschland für den günstigen Preis von 398 DM – was nach einer schnellen Recherche und Berücksichtigung der Inflation heutzutage einem Wert von 785 Euro entspräche. Diese Konsole, der Urururgroßvater aller Videospielkonsolen, hatte gewiss eine Daseinsberechtigung und revolutionierte den Markt. Und trotz des Retro-Charakters, die das Magnavox Odyssey mit sich bringt, bin ich mir nicht sicher, ob die insgesamt 28 Spiele, die für diese Konsole erhältlich war, für irgendjemanden heutzutage wirklich noch aktiv genutzt wird.

In diesen 53 Jahren sind eine Menge Spielkonsolen von unterschiedlichsten Firmen erschienen. Das wirklich Fatale ereignete sich dann 1983 bis 1985 insbesondere in den Vereinigten Staaten, als der Markt nur so geflutet wurde von Videospielkonsolen und -spielen – frei nach dem Motto: „Quantität statt Qualität“. Diese unkontrollierte Überproduktion wurde bekannt als Video Game Crash und war das vorläufige Aus für die Videospielbranche.

Dies war der Augenblick für die japanische Spieleindustrie sich aus dem Schatten zu erheben. 1983 veröffentlichte Nintendo ihren Familiencomputer, genannt: Famicom, welcher dann 1985 in den USA und 1986 in Europa auf dem Markt erschien und beendete den Video Game Crash. Nintendo revolutionierte mit ihrer Konsole, die bei uns unter dem Namen Nintendo Entertainment System, kurz: NES, vermarktet wurde, erneut die Videospielbranche.

Nintendo, als einer von drei großen Firmen, neben Sony und Microsoft, dominiert den Videospielmarkt und macht dabei (meistens – *hust* Wii U *hust*) alles richtig.

Und obwohl ich, Jahrgang 1986, gar nicht aktiv zur NES-Generation gehöre, sondern erst mit dem Nachfolger, dem Super Nintendo Entertainment System, kurz: SNES, meine Karriere als Heimkonsolenspieler startete, und ich persönlich das SNES als meine Lieblingskonsole bezeichne, ist es das NES und die dazugehörigen Spiele, die meine Sammelleidenschaft weckten. Aber warum?

Es gibt mehrere Faktoren, die dabei eine Rolle spielen: äußere, direkte und intrinsische Faktoren.

Äußere Faktoren sind andere Videospielsammler, die sich insbesondere durch YouTube einen Namen gemacht haben. Ganz oben an erster Stelle nenne ich dabei James Rolfe, der durch seinen Charakter, den Angry Video Game Nerd (früher noch: Angry Nintendo Nerd) über schlechte NES-Spiele berichtet und diese in einer witzigen und vorlauten Art rezensiert und dabei kein Blatt vor dem Mund nimmt, und dabei – daher der Name – immer sehr angry ist. Ich bewunderte schon immer seine gewaltige Sammlung, die weit über das NES hinausgeht. Mein Bruder war es, der mir – ich glaube 2007 / 2008 – von dem AVGN erzählte und mir seine Videos zeigte. Und die Sammlung des AVGNs bzw. von James Rolfe weckte in mir auch den Wunsch, mal eine kleine Sammlung zu besitzen…

Ein direkter Faktor, oder besser gesagt: der einzige direkte Faktor, ist meine Freundin, die mir entweder 2011 oder 2012 zu Weihnachten das NES schenkte. Anscheinend hatte ich ein wenig zu sehr davon geschwärmt, mal eine eigene kleine Sammlung zu besitzen. Da mir die teils horrenden Preise auf dem Markt bekannt waren, wollte ich eigentlich nur die Must-Haves sammeln. Titel wie „Super Mario Bros.“, „The Legend of Zelda“, „Castlevania“, „Mega Man“, „Kirby’s Adventure“, „Metroid“ und und und… sollten mein Regal schmücken. Aber es kam anders! GANZ ANDERS! Denn eines Tages entdeckte ich in einem hiesigen Retroshop das NES-Spiel „Dragon’s Lair“, ein Spiel, welches der AVGN bereits 2009 regelrecht zerpflückte und welches er vor wenigen Tagen (thematisch also zeitlich passend) erneut „re-revisited“! Ich wusste, dass „Dragon’s Lair“ ein wirklich schlechtes Spiel ist, wirklich, wirklich unter aller Kanone. Ich habe dies meiner Freundin so gesagt: „Ich will es nicht! Auf keinen Fall! Ich – will – es – nicht!“ Wieso denkt sie dann, es sei eine gute Idee, genau mit DIESEM Spiel zur Kasse zu gehen und mir dieses zu kaufen? Wieso? Und das war der Augenblick, der einen Trigger setzte: „Gut! Wenn ich schon dieses eine beschissene Spiel besitze, dann kann ich auch anfangen, ALLE Spiele zu sammeln!“ Und dieses Geschenk hat irgendwie tatsächlich mein Leben verändert, denn nur deswegen besitze ich eine kleine Sammlung, einen YouTube-Kanal und diesen Blog. Und über 200 NES-Spiele füllen nun mein Regal. Glaubt mir, ich bin sehr stolz auf diese Sammlung.

Ein intrinsischer Faktor sind die Spiele an sich. Hätte das Magnavox Odyssey oder irgendeine andere Konsole (ColecoVision, Atari 2600, …) aus der frühen Zeit mein Interesse derart geweckt? Wohl kaum! Denn erst mit dem NES entstanden – meiner bescheidenen Meinung nach – brauchbare Optik, brauchbare Musik, brauchbares Gameplay. Alles davor ist zwar wichtig für die Entwicklung der weiteren Konsolen – bis heute! – aber diese wecken mein Interesse einfach gar nicht. Erst das NES brachte sinnvolle Spiele hervor. Ich will damit nicht sagen, dass Klassiker wie Space Invaders, Pong, Frogger, Pitfall nicht sinnvoll wären, aber das sind diese typischen Arcadespiele, deren Ziel es ist, einen möglichst hohen High Score zu erzielen. Ich persönlich mag aber Spiele, die man beenden und abschließen kann. Das heißt nun nicht, dass ich zum Beispiel Tetris oder Dr. Mario oder Yoshi’s Cookie nicht mag, aber dies waren nicht die Titel, weswegen ich anfing, NES-Spiele zu sammeln. Es sind die bereits genannten Titel mit die ikonischen Charakteren Mario, Link, Simon Belmont, Mega Man, Kirby, Samus Aran, die meine Leidenschaft zum NES starteten. Puuh, ich weiß gar nicht, wie ich das genau umschreiben soll. Bei dem NES passt in der Regel alles: Optik, Musik, Gameplay. Und früher war Optik und Musik nun mal nicht alles. Die Technik war noch nicht ausgereift für solche komplexen Gebilde, Speicherplatz war Mangelware, und wenn ich an die früheren Gamepads oder Controller denke, dann würde ich sagen: sogar Tasten waren Mangelware! Gelinde gesagt und kurz zusammengefasst: NES-Spiele sind einfach gut!

Insgesamt hat das NES irgendwie etwas Magisches: Es ist absolut retro, ganz klar, aber nicht ZU retro, und im gleichen Atemzug ist es noch nicht so modern wie das SNES. (SNES, modern… puuh… ich bin alt.) Ich hatte zwar eingangs irgendwo erwähnt, dass das SNES meine Lieblingskonsole sei, dadurch dass die Punkte Optik, Musik und Gameplay einfach noch besser waren, aber irgendwie hat es sich ergeben, dass ich mit dem Start beginne, nämlich mit dem NES.

Ob ich anschließend beginne, SNES-Spiele zu sammeln, das kann ich gerade noch gar nicht sagen. Aber zumindest möchte ich eine komplette NES-Sammlung besitzen, was 340 Spiele (in den PAL-Regionen, also u.a. Deutschland) umfasst. Etwa 2/3 davon darf ich stolz mein Eigen nennen. Mal schauen, ob und wann ich berichten kann, dass ich das komplette Set habe.

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